Validierung
URS und Auslegungsgrundlage für Pharmaanlagen: Von den Anforderungen zur DQ
Wie Lastenheft (URS), Auslegungsgrundlage und Designqualifizierung (DQ) in einem Projekt für eine Pharmaanlage zusammenspielen, wie eine gute Anforderung aussieht und wie die Rückverfolgbarkeit von der URS zur DQ die spätere Qualifizierung zielgerichtet hält.
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- Engineering-Team von ALVEDA SOLUTIONS
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Jede qualifizierte Anlage beruht auf einer einfachen Kette: Der Auftraggeber legt fest, was gefordert ist, die Planer legen dar, wie sie es erfüllen werden, und jemand prüft anhand von Nachweisen, dass die Planung es tatsächlich erfüllt. In Pharmaprojekten heißen diese drei Schritte üblicherweise Lastenheft (URS), Auslegungsgrundlage und Designqualifizierung (DQ).
Der EU-GMP-Leitfaden Annex 15 und vergleichbare Leitlinien von PIC/S und WHO beschreiben, dass die Qualifizierung von den Nutzeranforderungen ausgeht, und die ISPE-Leitfäden zu Inbetriebnahme und Qualifizierung beschreiben einen wissenschafts- und risikobasierten Weg, die Qualifizierung umzusetzen. Dieser Beitrag betrachtet die praktische Seite: was in jedes Dokument gehört und wie die Dokumente zusammenhängen.
Die URS: Was der Auftraggeber braucht
Die URS gehört dem Auftraggeber. Sie legt fest, was die Anlage, das System oder die Ausrüstung leisten muss und welche Bedingungen einzuhalten sind, und schreibt die technische Lösung nur dann vor, wenn es dafür einen Grund gibt. Eine Anlagen-URS umfasst typischerweise:
- Produkte, Darreichungsformen, Chargengrößen, Kapazität und Schichtmodell, einschließlich des erwarteten künftigen Wachstums.
- Prozessschritte und die jeweils erforderlichen Bedingungen: offene oder geschlossene Handhabung, Reinheit, Containment, Temperatur und Feuchte.
- GMP- und regulatorische Grundlage: die Märkte, Regelwerke und Inspektionen, auf die die Anlage vorbereitet sein muss.
- Medienversorgung: Wasserqualitäten und Entnahmestellen, Reindampf, Druckluft und Gase, jeweils mit Qualität und Kapazität.
- Erwartungen an Automatisierung, Monitoring und Datenintegrität, einschließlich Alarmen und Aufzeichnungen.
- Anforderungen an Gesundheitsschutz, Sicherheit und Umwelt, einschließlich der Exposition am Arbeitsplatz, soweit relevant.
- Betriebsfähigkeit und Instandhaltung: Zugänglichkeit, Reinigung, Ersatzteile und die Instandhaltungskapazitäten des Auftraggebers.
- Randbedingungen: Standort, Budget, Terminplan, bestehende Gebäude oder Systeme, die weiterverwendet werden müssen.
Was eine gute Anforderung ausmacht
Eine brauchbare Anforderung ist eindeutig, klar, verifizierbar und begründet. Jede hat eine Kennung, eine Aussage, die geprüft oder inspiziert werden kann, eine Priorität oder Kritikalität und eine Quelle — eine Vorschrift, einen Produktbedarf, einen Prozessbedarf oder eine Präferenz des Auftraggebers. Anforderungen, die Produktqualität oder Patientensicherheit beeinflussen, sollten als solche erkennbar sein, da sie in der Qualifizierung die größte Aufmerksamkeit erhalten. „Der Raum muss leicht zu reinigen sein“ ist ein Wunsch; eine Festlegung der erforderlichen Oberflächen, Anschlussdetails und der Verträglichkeit mit den vorgesehenen Reinigungsmitteln ist eine Anforderung.
Die Auslegungsgrundlage: Wie das Engineering die Anforderungen erfüllen wird
Die Auslegungsgrundlage ist die Interpretation der URS durch das Engineering-Team. Sie dokumentiert die Kriterien, Annahmen und Normen, nach denen jedes Gewerk plant, und hier wird aus einer qualitativen Anforderung ein quantifizierter Auslegungsparameter. Für eine Pharmaanlage umfasst sie üblicherweise:
- Raumdatenblätter für jeden Raum: Klassifizierung, Druckstufe, Temperatur, Feuchte, Oberflächen, Versorgungsanschlüsse und Ausrüstung.
- Auslegungskriterien für HVAC, Wasser und Medienversorgung, Elektrotechnik, Brandschutz, Tragwerk und Automatisierung.
- Anwendbare Vorschriften, Normen und Leitlinien, jeweils mit Ausgabestand.
- Annahmen, die noch bestätigt werden müssen, etwa Ausrüstungsdaten oder Anforderungen örtlicher Behörden, jeweils mit Verantwortlichem und Fälligkeitsdatum.
- Auslegungsphilosophien: Zonierung und Flüsse, Druckkaskade und Schleusen, Sanitisierung, Redundanz und Regelung.
Die Auslegungsgrundlage sollte vom Auftraggeber geprüft und akzeptiert werden, denn hier werden Anforderungen übersetzt — und hier können sie missverstanden werden. Kann eine Anforderung nicht wie formuliert erfüllt werden, ist die Auslegungsgrundlage der Ort, an dem die Abweichung und ihre Begründung festgehalten werden, nicht die Zeichnungen.
Designqualifizierung: Die Planung gegen die URS prüfen
Die Designqualifizierung ist die dokumentierte Verifizierung, dass die vorgeschlagene Planung für den vorgesehenen Zweck geeignet ist. In der Praxis ist sie ein strukturiertes Review der Planungsunterlagen — Layouts, Raumdatenblätter, P&IDs, Spezifikationen und Lieferantenangebote — gegen die URS, durchgeführt an festgelegten Punkten der Planung statt einmalig am Ende. Feststellungen werden dokumentiert und geschlossen, und das Ergebnis wird von der Qualitätseinheit des Auftraggebers genehmigt.
Rückverfolgbarkeit: Der rote Faden durch das Projekt
Eine Rückverfolgbarkeits-Matrix verknüpft jede Anforderung mit der Stelle, an der sie in der Planung erfüllt wird, mit dem DQ-Review, das sie bestätigt hat, und später mit dem Inbetriebnahme- oder Qualifizierungstest, der sie in der errichteten Anlage verifiziert. Das hat drei praktische Vorteile:
- Nichts Wichtiges geht zwischen Dokumenten, Auftragnehmern und Phasen verloren.
- Tests werden für tatsächliche Anforderungen geschrieben, sodass die Qualifizierung keine Prüfungen ohne Mehrwert wiederholt.
- Wird eine Änderung vorgeschlagen, sieht das Team sofort, welche Anforderungen und Tests davon betroffen sind.
Anlagen-URS und Ausrüstungs-URS
Große Projekte haben selten nur eine URS. Die Anlagen-URS legt die übergeordneten Anforderungen fest, und für wesentliche Systeme und Package-Units wie Wassererzeugung, Autoklaven, Isolatoren, Abfülllinien oder Gebäudeleit- und Monitoringsysteme werden separate URS erstellt. Diese untergeordneten Dokumente müssen mit der Anlagen-URS und der Auslegungsgrundlage übereinstimmen: Der Raum, der einen Isolator aufnimmt, muss die Versorgungsanschlüsse, den Platz, die Klassifizierung und die Druckstufen bereitstellen, von denen die Isolator-URS ausgeht.
Die Antworten der Lieferanten auf eine Ausrüstungs-URS, häufig in Form einer Funktions- oder Designspezifikation, werden Teil der Planung, die in der DQ geprüft wird. Werks- und Vor-Ort-Abnahmetests können dann anhand derselben Anforderungskennungen geplant werden, sodass die Lieferantenprüfungen zur Qualifizierung beitragen, statt vor Ort wiederholt zu werden.
Häufige Fallstricke
- Eine aus einem anderen Projekt kopierte URS, die Ausrüstung oder Klassen beschreibt, die die neue Anlage nicht benötigt.
- Anforderungen, die ohne Grund eine Lösung vorschreiben und bessere Optionen ausschließen.
- Nicht prüfbare Aussagen, die weder in der DQ noch in der Qualifizierung verifiziert werden können.
- Eine Auslegungsgrundlage, die nie formell akzeptiert wird, sodass Annahmen während der Bauausführung zutage treten.
- Eine DQ, die als Unterschrift am Ende der Planung statt als Reihe von Reviews behandelt wird.
Kernpunkte
- Die URS legt fest, was benötigt wird; die Auslegungsgrundlage legt fest, wie es erfüllt wird; die DQ verifiziert die Übereinstimmung.
- Formulieren Sie Anforderungen, die eindeutig, klar, verifizierbar und begründet sind.
- Lassen Sie die Auslegungsgrundlage einschließlich offener Annahmen vom Auftraggeber prüfen und akzeptieren.
- Führen Sie eine einzige Rückverfolgbarkeits-Matrix von der URS über die DQ bis zum Prüfnachweis.
Dieser Beitrag enthält allgemeine technische Informationen. Er ersetzt weder den aktuellen Wortlaut der anwendbaren Vorschriften und Leitlinien noch eine projektspezifische Bewertung.
Zugehörige Leistungen
Wo sich dieses Thema im Engineering-Leistungsumfang von ALVEDA SOLUTIONS einordnet.
- Qualifizierung & Validierung (CQV)Dokumentierter Nachweis, dass Anlagen, Medien und Ausrüstung bestimmungsgemäß funktionieren.
- Masterplanung & Konzept-EngineeringZonierung, Flüsse und Phasierung früh festgelegt, solange Änderungen noch günstig sind.
- Basic EngineeringÜberführung des Konzepts in eine abgestimmte technische Grundlage für die Detailplanung.
- GMP & ComplianceAnlagenplanung, in jeder Phase anhand der GMP-Anforderungen geprüft.
- Machbarkeit & StrategieTechnische und wirtschaftliche Tragfähigkeit prüfen, bevor Kapital gebunden wird.