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Vali­die­rung

URS und Aus­legungs­grund­lage für Pharma­an­la­gen: Von den Anfor­de­run­gen zur DQ

Wie Lastenheft (URS), Aus­legungs­grund­lage und Design­qualifi­zierung (DQ) in einem Projekt für eine Pharma­an­lage zusammen­spielen, wie eine gute Anfor­de­rung aussieht und wie die Rück­verfolg­barkeit von der URS zur DQ die spätere Quali­fi­zie­rung zielgerichtet hält.

Ver­öf­fent­licht
Autor
Engi­nee­ring-Team von ALVEDA SOLUTIONS
Lesezeit
5 Min.

Jede qualifizierte Anlage beruht auf einer einfachen Kette: Der Auftrag­ge­ber legt fest, was gefordert ist, die Planer legen dar, wie sie es erfüllen werden, und jemand prüft anhand von Nachweisen, dass die Planung es tatsächlich erfüllt. In Pharma­pro­jekten heißen diese drei Schritte üblicherweise Lastenheft (URS), Aus­legungs­grund­lage und Design­qualifi­zierung (DQ).

Der EU-GMP-Leitfaden Annex 15 und vergleichbare Leitlinien von PIC/S und WHO beschreiben, dass die Quali­fi­zie­rung von den Nutzer­anforderungen ausgeht, und die ISPE-Leitfäden zu Inbe­trieb­nahme und Quali­fi­zie­rung beschreiben einen wissenschafts- und risiko­basierten Weg, die Quali­fi­zie­rung umzusetzen. Dieser Beitrag betrachtet die praktische Seite: was in jedes Dokument gehört und wie die Dokumente zusammenhängen.

Die URS: Was der Auftrag­ge­ber braucht

Die URS gehört dem Auftrag­ge­ber. Sie legt fest, was die Anlage, das System oder die Ausrüstung leisten muss und welche Bedin­gun­gen einzuhalten sind, und schreibt die technische Lösung nur dann vor, wenn es dafür einen Grund gibt. Eine Anlagen-URS umfasst typischerweise:

  • Produkte, Dar­reichungs­formen, Chargen­grö­ßen, Kapazität und Schicht­mo­dell, ein­schließ­lich des erwarteten künftigen Wachstums.
  • Prozess­schritte und die jeweils erforderlichen Bedin­gun­gen: offene oder geschlossene Handhabung, Reinheit, Contain­ment, Temperatur und Feuchte.
  • GMP- und regu­la­to­rische Grundlage: die Märkte, Regelwerke und Inspektionen, auf die die Anlage vorbereitet sein muss.
  • Medien­versorgung: Wasser­qualitäten und Ent­nahme­stellen, Reindampf, Druckluft und Gase, jeweils mit Qualität und Kapazität.
  • Erwar­tun­gen an Auto­mati­sierung, Monitoring und Daten­inte­grität, ein­schließ­lich Alarmen und Auf­zeich­nun­gen.
  • Anfor­de­run­gen an Gesundheits­schutz, Sicherheit und Umwelt, ein­schließ­lich der Exposition am Arbeitsplatz, soweit relevant.
  • Betriebs­fähigkeit und Instandhaltung: Zugäng­lich­keit, Reinigung, Ersatzteile und die Instandhaltungs­kapazi­täten des Auftraggebers.
  • Rand­be­dingungen: Standort, Budget, Terminplan, bestehende Gebäude oder Systeme, die weiter­verwendet werden müssen.

Was eine gute Anfor­de­rung ausmacht

Eine brauchbare Anfor­de­rung ist eindeutig, klar, verifizierbar und begründet. Jede hat eine Kennung, eine Aussage, die geprüft oder inspiziert werden kann, eine Priorität oder Kritikalität und eine Quelle — eine Vorschrift, einen Produktbedarf, einen Prozessbedarf oder eine Präferenz des Auftraggebers. Anfor­de­run­gen, die Produkt­quali­tät oder Patienten­sicher­heit beeinflussen, sollten als solche erkennbar sein, da sie in der Quali­fi­zie­rung die größte Aufmerksamkeit erhalten. „Der Raum muss leicht zu reinigen sein“ ist ein Wunsch; eine Festlegung der erforderlichen Ober­flä­chen, Anschluss­details und der Verträg­lich­keit mit den vorgesehenen Reinigungs­mitteln ist eine Anfor­de­rung.

Die Aus­legungs­grund­lage: Wie das Engi­nee­ring die Anfor­de­run­gen erfüllen wird

Die Aus­legungs­grund­lage ist die Interpretation der URS durch das Engi­nee­ring-Team. Sie doku­men­tiert die Kriterien, Annahmen und Normen, nach denen jedes Gewerk plant, und hier wird aus einer qualitativen Anfor­de­rung ein quantifi­zierter Aus­legungs­para­meter. Für eine Pharma­an­lage umfasst sie üblicherweise:

  • Raum­daten­blätter für jeden Raum: Klassifi­zierung, Druckstufe, Temperatur, Feuchte, Ober­flä­chen, Versorgungs­anschlüsse und Ausrüstung.
  • Aus­legungs­krite­rien für HVAC, Wasser und Medien­versorgung, Elektro­tech­nik, Brand­schutz, Tragwerk und Auto­mati­sierung.
  • Anwendbare Vor­schrif­ten, Normen und Leitlinien, jeweils mit Ausgabestand.
  • Annahmen, die noch bestätigt werden müssen, etwa Aus­rüstungs­daten oder Anfor­de­run­gen örtlicher Behörden, jeweils mit Verant­wortlichem und Fällig­keits­datum.
  • Aus­legungs­philo­sophien: Zonierung und Flüsse, Druck­kas­kade und Schleusen, Sani­ti­sie­rung, Redundanz und Regelung.

Die Aus­legungs­grund­lage sollte vom Auftrag­ge­ber geprüft und akzeptiert werden, denn hier werden Anfor­de­run­gen übersetzt — und hier können sie missverstanden werden. Kann eine Anfor­de­rung nicht wie formuliert erfüllt werden, ist die Aus­legungs­grund­lage der Ort, an dem die Abweichung und ihre Begründung festgehalten werden, nicht die Zeich­nun­gen.

Design­qualifi­zierung: Die Planung gegen die URS prüfen

Die Design­qualifi­zierung ist die dokumentierte Veri­fi­zie­rung, dass die vorgeschlagene Planung für den vorgesehenen Zweck geeignet ist. In der Praxis ist sie ein strukturiertes Review der Planungs­unter­lagen — Layouts, Raum­daten­blätter, P&IDs, Spezi­fika­tionen und Lieferanten­angebote — gegen die URS, durchgeführt an festgelegten Punkten der Planung statt einmalig am Ende. Fest­stel­lun­gen werden doku­men­tiert und geschlos­sen, und das Ergebnis wird von der Qualitäts­ein­heit des Auftraggebers genehmigt.

Rück­verfolg­barkeit: Der rote Faden durch das Projekt

Eine Rück­verfolg­barkeits-Matrix verknüpft jede Anfor­de­rung mit der Stelle, an der sie in der Planung erfüllt wird, mit dem DQ-Review, das sie bestätigt hat, und später mit dem Inbe­trieb­nahme- oder Quali­fizierungs­test, der sie in der errichteten Anlage veri­fi­ziert. Das hat drei praktische Vorteile:

  • Nichts Wichtiges geht zwischen Dokumenten, Auftragnehmern und Phasen verloren.
  • Tests werden für tatsächliche Anfor­de­run­gen geschrieben, sodass die Quali­fi­zie­rung keine Prüfungen ohne Mehrwert wiederholt.
  • Wird eine Änderung vorgeschlagen, sieht das Team sofort, welche Anfor­de­run­gen und Tests davon betroffen sind.

Anlagen-URS und Aus­rüs­tungs-URS

Große Projekte haben selten nur eine URS. Die Anlagen-URS legt die übergeordneten Anfor­de­run­gen fest, und für wesentliche Systeme und Package-Units wie Wasser­erzeugung, Autoklaven, Isolatoren, Abfülllinien oder Gebäudeleit- und Monitoring­systeme werden separate URS erstellt. Diese unter­geordneten Dokumente müssen mit der Anlagen-URS und der Aus­legungs­grund­lage übereinstimmen: Der Raum, der einen Isolator aufnimmt, muss die Versorgungs­anschlüsse, den Platz, die Klassifi­zierung und die Druckstufen bereitstellen, von denen die Isolator-URS ausgeht.

Die Antworten der Liefe­ran­ten auf eine Aus­rüs­tungs-URS, häufig in Form einer Funktions- oder Design­spezifi­kation, werden Teil der Planung, die in der DQ geprüft wird. Werks- und Vor-Ort-Abnahmetests können dann anhand derselben Anfor­derungs­kennungen geplant werden, sodass die Lieferanten­prüfungen zur Quali­fi­zie­rung beitragen, statt vor Ort wiederholt zu werden.

Häufige Fall­stri­cke

  • Eine aus einem anderen Projekt kopierte URS, die Ausrüstung oder Klassen beschreibt, die die neue Anlage nicht benötigt.
  • Anfor­de­run­gen, die ohne Grund eine Lösung vorschreiben und bessere Optionen ausschließen.
  • Nicht prüfbare Aussagen, die weder in der DQ noch in der Quali­fi­zie­rung veri­fi­ziert werden können.
  • Eine Aus­legungs­grund­lage, die nie formell akzeptiert wird, sodass Annahmen während der Bauausführung zutage treten.
  • Eine DQ, die als Unterschrift am Ende der Planung statt als Reihe von Reviews behandelt wird.

Kernpunkte

  • Die URS legt fest, was benötigt wird; die Aus­legungs­grund­lage legt fest, wie es erfüllt wird; die DQ veri­fi­ziert die Überein­stimmung.
  • Formulieren Sie Anfor­de­run­gen, die eindeutig, klar, verifizierbar und begründet sind.
  • Lassen Sie die Aus­legungs­grund­lage ein­schließ­lich offener Annahmen vom Auftrag­ge­ber prüfen und akzep­tie­ren.
  • Führen Sie eine einzige Rück­verfolg­barkeits-Matrix von der URS über die DQ bis zum Prüfnachweis.

Dieser Beitrag enthält allgemeine technische Infor­ma­tio­nen. Er ersetzt weder den aktuellen Wortlaut der anwendbaren Vor­schrif­ten und Leitlinien noch eine projekt­spezi­fische Bewertung.

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